Foto: A. Zelck / DRKS

Die Geschichte des Kreisauskunftsbüros

Im April 1945 beginnt in Flensburg die Arbeit des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes. Der Zweite Weltkrieg geht zu Ende, Millionen entwurzelte und obdachlose Menschen irren durch ein weitgehend zerstörtes Land. Am Rande der großen Flüchtlingsströme stehen Freiwillige und registrieren Gesuchte und Suchende. Sie sammeln Informationen über Verschollene, praktisch aus dem Stand heraus. Diese spontane Aktion von zunächst einigen wenigen Menschen markiert die Geburtsstunde des Suchdienstes. Im Rahmender Suchdienst-Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus dem Roten Kreuz, dem katholischen Caritasverband und der Evangelischen Kirche, arbeitet der Suchdienst zunächst ohne jegliche Infrastruktur unter schwierigsten Bedingungen. Das Bündnis wird sich 1948 auflösen.

Im September 1945 wird die Suchdienst-Stelle mit der Bezeichnung „Deutsches Rotes Kreuz, Flüchtlingshilfswerk, Ermittlungsdienst, Zentrale-Suchkartei“ von Flensburg nach Hamburg verlegt. Als „Zonen-Zentrale Hamburg“ setzt sie dort ihre Arbeit fort. Nahezu zeitgleich beginnt auch in München, Zonen-Zentrale im wwUS-amerikanischen Sektor, die Suchdienst-Arbeit.

Und die Suchdienst-Helfer haben viel zu tun: Sie erfassen die Suchanfragen, forschen nach vermissten Angehörigen und bemühen sich über Ländergrenzen hinweg, getrennte Familien wieder zu vereinen. So zum Beispiel jene Menschen, die in den Regionen Polens und der damaligen Sowjetunion bzw. Tschechoslowakei leben, die vor dem Krieg noch zu Deutschland gehört hatten. Viele von ihnen wollen ausreisen – nach Deutschland – und der inzwischen international vernetzte Suchdienst des neu gegründeten Deutschen Roten Kreuzes unterstützt sie dabei, gemeinsam mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). „Operation Link“ heißt die Aktion, mit der so bis ins Jahr 1951 über 80.000 Deutsche aus Polen in die BRD sowie in die damalige DDR einreisen.
Foto: DRK / Broschüre Hoffnung und Gewissheit - Seite 34 (siehe unten Quelle)
Foto: DRK / Broschüre Hoffnung und Gewissheit - Seite 34 (siehe unten Quelle)
1950 ist ein weiteres wichtiges Jahr für den Suchdienst: Nachdem die neu gewählte Bundesregierung offiziell den „Aufruf zur Registrierung der Kriegsgefangenen und Vermissten“ erlassen hat, werden innerhalb kurzer Zeit 2,5 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder gemeldet. Zur Optimierung seiner Arbeit führt der DRKSuchdienst im selben Jahr seine beiden umfangreichen Karteien aus München und Hamburg zusammen. So entsteht am Suchdienst-Standort München die Zentrale Namenskartei mit ca. 50 Millionen Karteikarten. Die Bestände und Aufgaben dort werden Ende der 1970er Jahre weiter ergänzt um den Kindersuchdienst und die Nachforschungen nach Personen, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR verschollen sind. Bis zum Jahr 1950 sind rund 16 Millionen Suchanfragen gestellt worden, und der DRK-Suchdienst kann 8,8 Millionen schicksalsklärende Auskünfte an die Angehörigen erteilen. Der Suchdienst befragt hierzu Kriegsheimkehrer nach dem Schicksal ihrer Leidensgenossen und erhält teilweise sehr detaillierte Angaben. Auch die sog. Vermisstenbildlisten, in denen die Personalien und Fotos von über 1,5 Millionen vermissten Soldaten und Zivilisten aufgeführt sind, die in allen DRK-Suchdienst-Stellen in den Landes- und Kreisverbänden sowie in öffentlichen Gebäuden ausliegen, tragen vielfach dazu bei, Gewissheit zu bekommen. Große Resonanz erreichen auch Suchmeldungen durch die Medien, vor allem im Rundfunk. 1955 entsteht die 51-bändige UNDokumentation „German Prisoners of War and Missing Members of the Wehrmacht“. Darin werden die vermissten und vermutlich gefallenen deutschen Soldaten aufgelistet, um die Suche auch international weiter zu betreiben.

1957 vereinbaren das DRK und das Sowjetische Rote Kreuz die gegenseitige Unterstützung in Suchdienstfragen. Bis Ende der 1980er Jahre erhält der Suchdienst so fast eine halbe Million Auskünfte vom Roten Kreuz der ehemaligen UdSSR. Dennoch: Viele Schicksale bleiben während des Kalten Krieges noch ungeklärt. Erst mit der Politik Gorbatschows und den Umbrüchen, die diese in der Sowjetunion auslöst, öffnen sich auch die russischen Archive. So werden viele Anfragen erst nach 1990 und bis heute noch geklärt.